Bispingen in der Lüneburger Heide

„Ja. Nein. Ja. Nein. Ja. Nein!“ Theo war nicht sehr eindeutig auf die Frage, ob er lieber mit Otto, Freunden und mir in die Lüneburger Heide kommen oder einen Papa-Tag zuhause machen machen wollte. Eigentlich schon verabschiedet, kam ich dann noch einmal zurück, weil ich etwas vergessen hatte. „Doch“, rief er da, sprang in die Stiefel und stieg ins Auto. Und war am Ende des Tages so glücklich, dabei gewesen zu sein. Vor allem die Kutschfahrt hatte ihn restlos begeistert – und eine lustige Entdeckung, die wir beim Tanken gemacht haben.

(von Johanna)

Unser Weg führte uns von Hamburg nach Bispingen, wo, zu meinem großen Erstaunen, nicht nur die Indoor-Skihalle Snow Dome und die Ralf-Schumacher-Kartbahn angesiedelt sind – beides vermutlich allen Hamburgern vom Vorbeifahren auf der A7 bekannt – sondern wo auch nahtlos das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide anschließt. Unser Ziel war der Hof Bockelmann, gelegen in dem kleinen Örtchen Oberhavelbeck bei Bispingen.IMG_2468IMG_2473Der Hof ist ein heißer Tipp für einen Familien-Tagesausflug. Da das Ehepaar Bockelmann selbst einen ganzen Haufen Kinder hat, weiß es, womit man den kleinsten Gästen die größte Freude machen kann: Einem schönen Spielplatz mit jeder Menge Fahrzeugen wie Trettraktor, Bobby Car und Dreirad. Direkt daneben grasen Ponys und Ziegen und sogar Schweine gibt es. Die haben wir zwar nicht gesehen, aber gerochen. Auf dem Hof gibt es ein schönes Café und wenige Meter die Dorfstraße runter ist eine Kutschstation, wo man sich eine Tour durch die umliegende Heidelandschaft buchen kann.

Hof Bockelmann ist aber auch ein tolles Ziel für einen Familienurlaub in der Heide. In einem Reetdach- und einem Fachwerkhaus bietet der traditionsreiche Hof, der bereits seit über 400 Jahren in Familienbesitz betrieben wird, sechs sehr schön hergerichtete Ferienwohnungen. Für Feriengäste gibt es viele Programmpunkte, wie Fahrten auf dem Treckeranhänger, Stallführungen und gemeinsames Tierefüttern . IMG_2464IMG_2463Wir haben erst ausgiebig auf dem Spielplatz gespielt und hätten auch fast Ziegen gestreichelt. Sie wollten nur nicht. Danach haben wir uns auf der Terrasse des Hofcafés Bockelmann eingenistet und wurden, obwohl wir eine laute, kinderreiche Horde waren, sehr freundlich empfangen. In der Kuchenvitrine drängten sich viele, ungemein lecker anmutende Torten, alle hausgemacht natürlich. Die Auswahl dauerte lange, das Essen ging dann ganz schnell. Köstlich! Die Kinder wollten lieber Eis und konnten sich gar nicht genug daran freuen, dass es als Beigabe außerdem noch einen Kaubonbon gab.IMG_2470So gestärkt ging es weiter, zur Kutschstation. In dem großen Anhänger fanden wir zu acht bequem Platz und los ging die einstündige Tour. Wir ratterten durchs Dorf, über die große Straße, und schon waren wir mitten drin im Naturschutzgebiet. Es holperte und rüttelte ganz ordentlich, als unsere beiden starken Pferdchen uns über die schmalen Wege zogen. Wir Erwachsenen schafften es kaum, ein scharfes Foto zu schießen, und den Kindern hüpften fast die Reiswaffeln aus den Händen. Warum es kurz nach dem Eis schon wieder Reiswaffeln gab? Keine Ahnung.

Die Natur war noch ein wenig kahl, aber das tat ihrer Schönheit keinen Abbruch. Der weite Blick über die wollig bewachsenen Böden, dazwischen vereinzelte Kiefern, Birken und merkwürdig kleine, mehrstämmige Eichen, die so hutzelig aussahen, wie aus einem Märchenbuch. Der Kutscher erzählte uns, dass die Form der Bäume etwas damit zu tun habe, dass früher mit den Eicheln die Schweine gefüttert wurden. Warum sie dafür klein und verzweigt sein mussten? Keine Ahnung. Die Kinder thronten ja mit aufgeregt roten Wangen auf den Premiumplätzen auf den vorderen Bänken, und hinten verstand man nicht mehr so viel. Es wehte ein leichter Wind, der manchmal nach Pferd roch, und damit nostalgische Ponyhof-Erinnerungen aufwirbelte. Und über allem leuchtete der weite, endlich mal wieder blaue Himmel, so groß, wie er sich in der Stadt selten ausbreitet. Wir beobachteten mehrere Greifvögel auf Mäusefang, ein Kaninchen und irgendjemand glaubte, eine Schlange gesehen zu haben. War vielleicht auch nur ein Stock. Egal, es war trotzdem aufregend und herrlich. Die Kinder hatten so viel Freude an unserer Tour, dass sie sich an der Endstation nur widerwillig und mit der Aussicht auf einen erneuten Besuch des Spielplatzes aus der Kutsche entfernen ließen.IMG_2476IMG_2480IMG_2495IMG_2490„Die Kutschfahrt war TOLL“, riefen Theo und Otto ein ums andere Mal auf der Heimfahrt, jetzt wieder von den billigen Plätzen auf der Rückbank. Aber auch: „Warum noch mal stand das Haus auf dem Kopf?“ Wir hatten nämlich eine überraschende Entdeckung gemacht, als wir kurz vor der Autobahn tanken wollten. Stand da doch mitten zwischen der Auffahrt zur A7, der Tankstelle und einem Kreisverkehr ein Haus aus dem Kopf. Wir lasen später im Internet, dass man das Verrückte Haus, in dem Sofa, Toilette, Schrank und Co an der Decke hängen, besichtigen und sogar für Kindergeburtstage buchen kann.

Bispingen, wie konnte ich so lange denken, dass Du nur eine Autobahnabfahrt mit einem Snow Dome und einer Kart-Bahn bist? Keine Ahnung! Jetzt weiß ich, dass Du so viel mehr zu bieten hast – und freue mich auf ein Wiedersehen.

Homepage: Hof Bockelmann

Adresse: Oberhaverbeck 1 – 1a, 29646 Bispingen

Für wen geeignet: Tagesausflügler, Pferde- und Naurfreunde, erholungsbedürftige Familien

Kosten: Kutschfahrt: 40,- Euro/Stunde; Übernachtungen siehe hier

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