Tipp: Sylt mit Kindern

Sylt ist ja quasi ein ausgelagerter Stadtteil von Hamburg. Könnte man zumindest denken, so viele Hamburger, wie hier immer unterwegs sind. Und das zu Recht: Die Insel ist wirklich wunderschön und eignet sich dazu noch ausgezeichnet für einen Urlaub mit Kindern. Strand und Meer, die beiden Grundbausteine für einen gelungenen Familienurlaub, gibt es hier im Überfluss, dazu kommen viele abwechslungsreiche Angebote, die (nicht nur) den Kindern Spaß machen.

(von Johanna)

Bei vielen weckt Sylt vor allem Assoziation an protzige Schickimickis, die mit ihren sonderausgestatteten Porsche Cayennes Champagner trinkend durch das elitäre Kampen gondeln und sich gegenseitig die teuersten Häuser Deutschlands vor der Nase weg kaufen. Solche Menschen gibt es auf der kleinen Nordseeinsel tatsächlich auch, zur Genüge. Aber eben nicht nur. Genau so wenig ist Kampen beispielhaft für den Rest der Insel, die sich mit der bodenständigen Hauptstadt Westerland, dem renterdurchflutetem Keitum, dem familienfreundlichen Wenningstedt, dem maritimen List und seinen vielseitigen Landschaften mehr als abwechslungsreich präsentiert. Abseits von den Schönen und Reichen sind auch die Preise bezahlbar und weichen nicht signifikant von denen anderer, weniger glamouröser, Nordseeinseln ab.

Für Kinder gibt es auf Sylt an allen Ecken und Enden etwas zu entdecken, erleben und spielen, wie wir anlässlich eines langen Wochenendes im Juli mal wieder feststellen konnten.

Anreise

Der Spaß geht schon los mit der Anreise los: Mit dem Auto auf einen Zug fahren und dann durch das Meer gezogen werden? Bei dieser Aussicht fiel Theo und Otto das Einschlafen schon eine Woche vorher schwer. Karten für den Autozug, der in Niebüll startet, könnt Ihr online oder direkt bei der Abfahrt kaufen. Auch wenn der Zug zu Hochzeiten im Halbstundentakt fährt, sind Wartezeiten im Sommer durchaus einzuplanen. Für den Fall der Fälle also lieber noch eine Extra-Stulle und gute Nerven einpacken. Oder gleich ohne Auto mit dem Zug kommen und die Insel mit Bus oder Miet-Fahrrädern erkunden.

Meer

Die eine Längsseite von Sylt liegt zum offenen Meer, die andere ist nur durch einen schmalen Wasserstreifen vom Festland getrennt. An der Meerseite laden lange Strände mit herrlichen feinem Sand zum Buddeln und Baden ein, sehr schön beispielsweise in Wenningstedt. Oft tobt die Nordsee wild und wellig und der Wind pustet so kraftvoll, dass es nie verkehrt ist, noch einen Pullover zum Überwerfen einzupacken.

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Schööööön – der Strand bei Wenningstedt.

Die Strände an der anderen Seite, der Wattseite, sind kleiner und lieblicher. Bei Ebbe tun sich matschige Weiten mit unzähligen Schätzen auf, die von den Kindern gesammelt und entdeckt werden wollen: verschiedenste Muschelschalen, leere Krebspanzer, lebendige Krebse („KREISCH! Wir gehen nicht mehr weiter, Ihr müsst uns tragen!!“), gestrandete Quallen, Wattwürmer, hübsche Steinchen, interessante Plastikabfälle. Theo und Otto haben zwei Eimer randvoll gesammelt – das Auto roch noch Tage später wie ein Fischladen. Besonders zu empfehlen ist ein Besuch im Ellenbogen-Naturschutzgebiet, ganz im Norden der Insel. Hier gibt es faszinierende Landschaften, frei laufende Schafe – im Frühjahr mit vielen süßen Lämmchen – und einen großen Wattstrand.
Im Sommer werden von vielen Orten aus Wattwanderungen angeboten, diverse auch speziell für Kinder.

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Die stolzen Sammler und ihre Ausbeute. Im Watt beim Ellenbogen konnten die ambitionierten Sachensucher wirklich viele tolle Dinge finden. 

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Ganz in der Nähe vom Ellenbogen liegt das Örtchen List. Von hier aus starten verschiedenste Schiffsfahrten, auch zu den Nachbarinseln Föhr und Amrum. Für Kinder eignen sich vor allem die Tour zu den Robbenbänken (wir haben leider keine gesehen, war trotzdem toll auf dem alten Kutter) oder natürlich die Piratenfahrten. Hier entern die Kleinen als Seeräuber verkleidet das Schiff, hissen die Totenkopfflagge und steuern jeder Menge piratiger Abenteuer entgegen. Eltern sind natürlich auch an Bord erlaubt, laufen aber Gefahr, für diverse Seeräuberschabernäcke eingespannt zu werden. Karten solltet Ihr unbedingt im Vorfeld reservieren! Details und Preise gibt es hier.

Ein toller Trost dafür, dass wir auf unserer Fahrt zu den Robbenbänken keine Robben gesehen haben, war Willi. Willi ist ein ziemlich dickes Kegelrobbenweibchen, das im Hörnumer Hafenbecken lebt. Als Willi von den Syltern seinen Namen bekam, hielt man sie übrigens noch für ein Männchen. Willi hat schon vor 25 Jahren gemerkt, dass Touristen vor Freude schier durchdrehen, wenn sie Robben mit Heringen füttern dürfen. Seitdem hat sie ihren Wohnort in den Hörnumer Hafen verlegt und die umliegenden Fischbuden verdienen ordentlich mit dem Verkauf von Frischfisch für die Robbe dazu. Wir stießen ganz zufällig auf Willi, die Fütterung gehörte für Theo und Otto dann aber zu den Highlights des Wochenendes.

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Ach Willi, Deine braunen Augen machen mich ganz sentimental.

Essen

Viele Restaurants auf Sylt sind voll und ganz auf die kleinste Gäste ausgerichtet. Dazu gehört auch die berühmt-berüchtigte Sansibar in den Rantumer Dünen. Ja, ups, hier sind sie wieder, die Polohemd tragenden Porschefahrer. Trotzdem fühlt man sich in der Sansibar auch als normaler Nordseeinsel-Besucher herzlich willkommen. Ein großer Spielplatz direkt vor der Tür, mit Seilbahn und Mercedes-Bobby Car Rennrutsche, beschäftigt die Kinder, während die Eltern direkt daneben auf den Außenbänken sitzen und gänzlich entspannt ein Glas Wein genießen können. Große Freude dann beim Entdecken der separaten Kindertoilette auf Seiten des Nachwuchses. Die Eltern tauschen sich derweil aufgeregt tuschelnd darüber aus, dass sie Karl-Heinz Rummenigge beim Speisen auf der Terrasse entdeckt haben. Wer hier ebenfalls essen möchte, muss unbedingt mit Vorlauf reservieren.

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Die Bobby Car-Rutsche auf dem Sansibar-Spielplatz kam ausgesprochen gut an.

Ebenfalls zu empfehlen, weil direkt im Strand, wo die Kinder im Sand buddeln können während die Eltern einen entspannten Restaurant-Besuch genießen, sind das L. A. Sylt bei List, eine kultige Bretterbude mit moderaten Preisen und berühmter Currywurst, und La Grand Plage bei Kampen.
Bekannt für sein umfangreiches Angebot an köstlichem Blechkuchen, der in riesigen Stücken serviert wird, ist die Kupferkanne. Der große Außenbereich ist mit zahlreichen kleinen, dichtgewachsenen Kiefern bestückt, zwischen denen die Tische stehen. Die Kinder flitzen zwischen den Bäumchen herum, erfreuen sich an den freilaufenden Pfauen und gehen zwischendurch, ob des Irrgartencharakters, nicht selten auch kurzzeitig verloren. Toll Herumtollen, während die Eltern noch einen Kaffee trinken, lässt es sich auch in der hinter dem Café liegenden, wunderschönen Heide, mit Blick auf das Watt. Hier ist übrigens auch ein guter Start für einen Spaziergang mit herrlichem Blick auf Meer und Natur.

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Gut versteckt zwischen kleinen Kiefern stehen die Tische im Café-Garten der Kupferkanne.

Sonnenschein

Das Schöne am Kinder haben ist ja auch, dass man so viele Dinger unternimmt, von denen man seit Jahrzehnten vergessen hat, dass es sie überhaupt gibt. Wie Mini-Golf Spielen, beispielsweise auf der Anlage im schönen Wenningstedt. Bei der Gelegenheit bietet es sich an, auch einmal beim nahe gelegenen Hünengrab vorbei zu schauen. Dessen über 5.000 Jahre alte Faszination erschließt sich nach der sympathisch-enthusiastischen Einführung durch den Mitarbeiter vor Ort auch den Kindern. Falls nicht, entschädigt man sie mit einem kurzen Abstecher auf den benachbarten Spielplatz. Kinder ab drei Jahren können im ebenfalls nur wenige Meter entfernt liegenden Circus Mignon einen Wochen- oder Tageskurs in der Zirkusschule buchen und zeigen ihren Eltern in der Abschlussvorführung, welche beeindruckenden Fertigkeiten sie sich angeeignet haben.
Tierfreunde besuchen den kleinen Tierpark in Tinnum oder steuern einen der zahlreichen Höfe an, die  Ponyreiten anbieten.

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Für einen Erwachsenen ist das Hünengrab in Wenningstedt gar nicht so einfach zu betreten.

Schietwetter

Wer Urlaub an der Nordsee bucht, muss sich der erhöhten Wahrscheinlichkeit von Wasser von oben bewusst sein. Auch für solche Tage gibt es auf Sylt Orte, an denen man mit Kindern Zeit verbringen kann. Liebhaber von kleinen und trotzdem teuren Aquarien kommen im Sylt Aquarium voll und ganz auf ihre Kosten. Schön gemacht ist es aber und Kinder haben hier auf jeden Fall ihren Spaß. Die Sylter Welle ist ein Schwimmbad in Westerland, unter anderem mit einem schön gestalteten Kinderbereich, einem Wellenbecken und Saunalandschaft. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass es an Regentagen, an denen alle Touristen einen Alternativplan suchen, recht voll wird. Bleibt noch das Erlebniszentrum Naturgewalten in List, wo es eine spannende, interaktive Ausstellung rund um die Themen Nordsee, Klima und Wetter gibt.
Ansonsten gilt die alte Weisheit: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur, na Ihr wisst schon. Und ein Wattspaziergang macht auch bei Nieselregen Spaß.

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Das Blödeste am ganzen Wochenende war der Moment, als es zu Ende war. Fanden auch die Jungs, die bei der Aussicht auf die anstehende Abreise lautstark und anhaltend protestierten. Ein Glück entfaltete der Autozug dann erneut seine anziehende Wirkung. Die Hoffnung war riesig, dass wir dieses Mal in die erste Etage des zweistöckigen Zuges geleitet werden würden. Was leider nicht passierte, da diese mit all den Porsche Cayennes und ähnlich hohen Fahrzeuge voll war. Aber bei uns unten war die Stimmung trotzdem recht fidel und wir waren uns alle einig: Sylt, wir wollen bald wiederkommen!

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