Tipp: Das Sams auf dem Theaterschiff Batavia

Manchmal sind die Kinder Kindertheater müde. Langweilig, wollen wir nicht hin, das Stück ist doch für Babys. Anders die Reaktion, als ich fragte, ob wir Das Sams auf dem Theaterschiff Batavia sehen wollen. „Das Sams!“, jubelte Otto. „Theaterschiff“, frohlockte Theo. Na dann: Rein ins Auto, raus aus Hamburg – Wedel wir kommen.

(von Johanna)

Ich liebe ja schon die Anfahrt zur Batavia: Mit dem Auto von Hamburg kommend, geht es immer Richtung Westen, raus aus der Stadt. Rein nach Wedel. Man fährt an der Schiffsbegrüßungsanlage Willkommhöft vorbei, an der gerade eine riesiges Containerschiff mit lautem Ramtamtam begrüßt wird, und fragt sich, warum man schon so lange nicht mehr hier war. Weiter geht es, rechts an der Elbe längs, und wenn man sich gerade sicher ist, dass man die Einfahrt zum Theaterschiff verpasst hat, sieht man auf der linken Seite das große Schild: Batavia. Hier liegt das Schiff vor Anker, mitten in der Wedeler Marsch.

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Bevor wir das erste Mal hier waren, konnte ich mir gar nicht gut vorstellen, wie ein Theater in ein Schiff passt. Funktioniert im Schiffsbauch der Batavia aber richtig gut. Etwas kleiner und enger als man es gewohnt ist, aber mit den roten Samtsitzen, die ein Geschenk der Hamburger Staatsoper sind, absolut stimmungsvoll.

Wer zu rechtzeitig kommt, trinkt noch einen Kaffee im schiffseigenen Restaurant. Und sichert sich dann frühzeitig einen guten Platz im Theater, denn auf der Batavia wird es meistens voll. Gut, dass die ersten drei Reihen für Kinder reserviert sind, so ist eine uneingeschränkte Sicht auf das Geschehen garantiert. In sicherem Abstand müssen die Kinder, auf den Beginn wartend, auch nicht fürchten, von ihren Eltern ständig zurecht gewiesen zu werden, dass man dieses im Theater aber eigentlich nicht macht, und das auch nicht, und jenes wenn überhaupt nicht so laut. Die Crew von der Batavia stört ein ausgelassenes Nachwuchs-Publikum ein Glück auch kein bisschen. Streng wird man hier nur, wenn Eltern sich auf den Kinderreihen niederlassen.

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Pünktlich ging es mit dem Sams los und auf einen Schlag wurde aus der wuseligen Kinderschar ein aufmerksames Theaterpublikum, dass mucksmäuschenstill verfolgte, wie der schüchterne Herr Taschenbier mir nichts, dir nichts zu einem Sams kam. Einem ziemlich frechen Geschöpf, das vor nichts Angst zu haben schein, noch nicht mal vor der strengen Frau Rotkohl, der Vermieterin von Herrn Taschenbier. Und dann auch die vom Sams, denn dieses zog mit ein und stellte das Leben von seinem „Papa Taschenbier“ ziemlich auf den Kopf. Dass dieses unter anderem daran lag, dass das Sams Wünsche erfüllen konnte, merkte Herr Taschenbier erst viel, viel später. Da hatte er vom Sams schon längst gelernt, dass man sich im Leben ruhig einmal auch etwas trauen kann.

Die Inszenierung war so frech wie das Sams. Die Kinder fielen vor Lachen schier von den Sitzen, als das Sams aus einem Versteck heraus Herrn Taschenbiers Chef mit Papierkugeln bewarf. Oder Anzüge durch Atmen zum Platzen brachte. Oder als der Feuerwehrmann während eines vermeintlichen Kaufhausbrandes die ersten Reihen großflächig mit seiner Sprühflasche befeuchtete. Die Erwachsenen schmunzelten über die Szene, in der der besagte Studienrat dem Sams in der Schule den Unterschied zwischen Du und Sie beibringen wollte („Du sagst Sie zu mir!“ „Bist Du denn eine Frau?“). Und natürlich, als die biestige Frau Rotkohl plötzlich nur noch das Gegenteil von dem sagen konnte, was sie wirklich meinte.

Das gesamte Ensemble war mit spürbar großer Begeisterung dabei und die rund zwei Stunden, inklusive 20 Minuten Pause, vergingen im Flug. Wie immer blieben alle Darsteller für Fotos und Autogramme auf der Bühne. Stolz zeigten die Kinder danach ihre mit Unterschriften aufgewerteten Karten: „Sams“ stand da, „Rotkohl“ und „Taschenbier“.

img_0242Ja, die Laune war prächtig und die Begeisterung für das Stück bei den Kindern groß. Wir standen beschwingt auf und kamen beim Rausgehen an dem Tresen vorbei, an dem Sams-Poster verkauft wurden. „War doch so schön“, dachte ich. „Kaufe ich den Kindern ruhig eines.“ Was ich nicht wusste: Wenn Du mit zwei Kindern im Theater bist, dann kaufe am Ende nie und unter keinen Umständen nur ein einziges Poster, weil Du denkst, ein Poster für ein gemeinsames Kinderzimmer reicht aus. Es sei denn, Du möchstest an einem sehr kalten Januarsonntag mit beiden Kindern noch lange auf dem Parkplatz darüber diskutieren, warum ein einziges Poster für ein gemeinsames Kinderzimmer natürlich nie und unter keinen Umständen ausreicht.

Tut es aber überraschenderweise doch, wie sich im Nachherein rausstellte: Nun hängt das Poster im Kinderzimmer und  erinnert uns an einen wirklich schönen TheaterSAMStag.

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Titelbild: http://www.batavia-wedel.de

Homepage: http://www.batavia-wedel.de

Adresse: Theaterschiff Batavia, Brooksdamm, 22880 Wedel

Termine: Noch an verschiedenen Sams- und Sonntagen bis zum 12. März 2017. Die Übersicht aller Termine und die Möglichkeit Karten zu buchen, gibt es hier

Alter: insbesondere für Kinder im Alter von 4 bis 8 Jahren

Kosten: Karten für das Kindertheater kosten 8,- Euro für Kinder und 10,- für Erwachsene

Essen und Trinken: Theatergaststätte mit selbstgebackenem Kuchen und norddeutscher Küche auf dem Oberdeck; Bar mit Getränken, Brezeln und Lollis im Unterdeck

Lage: 

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